markus bronold

Wer an Indien denkt, hat oft direkt die schillernden Farben der Menschen vor Augen. Die farben- und lebensfrohen Saris der Frauen, das leuchtende, heilige Orange der Sadhus oder das ausgelassene „Holi“ Fest, wo Menschen in nicht enden wollendem Farbregen ausgelassen feiern. Alles wunderbare Farben.

Und doch gibt es soviel mehr dahinter. So viel, für das es keine Farbe benötigt. Die Liebe der Menschen dort, das permanente Strahlen in ihren Augen und die stete, heilige Stille in allem.

Bei diesen Empfindungen braucht es keine Farbe, im Gegenteil, mich persönlich lenken sie sogar eher ab vom Wesentlichen, der Seele dahinter.

Im Kern geht es mir immer um das Dahinter, das was man nicht zwingend auf den ersten Blick sieht. Und wenn man die Freude hat, an einem solch eindrucksvollen und berührenden Ort sein zu dürfen wir Indien oder genauer gesagt am Arunachala, dem heiligen Berg Indiens, dann geht es mir um so viel mehr als nur zu dokumentieren, wie es dort ausschaut. Das können wir notfalls auch googlen. Mir geht es um das Gefühl, was es in mir auslöst, dort zu sein. Wie es sich anfühlt, mit den Menschen dort in Kontakt zu kommen und mich mit ihnen trotz vermeintlicher Sprachbarriere auszutauschen. Und es funktioniert sogar wunderbar, wenn wir unsere Herzen sprechen lassen.

An dieser Stelle erinnere ich mich gerne an die Situation, als ich während eines Shootings von einem Sadhu, einer der heiligen Männer Indiens, beobachtet wurde und ich ihn mittels Geste vor meine Kamera bat. Er tat dies mit einer Selbstverständlichkeit und höchsten Freude, als wäre es das normalste der Welt für ihn. Anschließend verbeugte er sich und zog weiter auf seinem Weg, den Berg zu umrunden.

Diese Art von Begegnungen und Verbindungen benötigen keine Farbe, da geht es ausschließlich um Herz und Seele, und diese spiegelten sich in seinen Augen wider. Einfach Unvergesslich. 

Und so viel mehr Eindrücke, die es zu erleben galt. Das Treibenlassen durch die vollen Gassen und Strassen mit ihren Rikschas, für deren Lärm und Hupen es eh keine Farbe benötigt, die Strassenküchen, hinter deren Dampf die Köche nahezu unsichtbar wurden, die hoffnungslos überladenen Motorräder, besetzt mit ganzen Familien und einem schlafendem Baby auf dem tank liegend und zu guter letzt die Begehung des Arunachala. Ein Erlebnis der besonderen Art. Diese Ruhe jenseits der Stadt, fast wie abgeschnitten, diese magische Anziehungskraft und Energie, die einen komplett durchströmt und diese heilige Stille, die einen in ein gänzlich anderes Universum versetzt. Purer Frieden und Liebe. Für dieses schon körperliche Empfinden braucht es wirklich keine Farbe. Das ist Fühlen und Einssein durch und durch. Und genau aus diesem State des Seins entstehen die Bilder. Bilder, die berühren und ganz unterbewusst das Gefühl an den Betrachter weiterreichen und mitschwingen lassen. 

markus bronold